Was
ist unter dem Projekt zu verstehen?
Der
Frauenverband im Bund der Vertriebenen hat festgestellt, dass
die Erlebnisse der Frauen am Ende des 2. Weltkrieges kaum
bekannt sind. Sie haben insbesondere im Osten und Südosten
Europas viel Schlimmes erlebt:
Sie flüchteten vor den anrückenden sowjetischen
Soldaten und mussten deren Ausschreitungen gegenüber
der Zivilbevölkerung über sich ergehen lassen.
Was
haben die Frauen erlebt?
Die Zivilbevölkerung, das waren Frauen, Kinder, Jugendliche
und alte Menschen. Für all diese Menschen im Osten war
die Not unbeschreiblich.
Die Flucht fand im kalten Winter statt, in überfüllten
Zügen, zu Fuß oder mit dem Treck.
Wer es auf diese Weise nicht schaffte, wurde von der Roten
Armee überrollt, Frauen und Kinder wurden vergewaltigt,
sie wurden misshandelt, und unmenschlich gepeinigt. Hunderttausende
wurden in die Sowjetunion verschleppt oder in Gefängnissen
oder Lagern interniert. Dort mussten sie oft jahrelang Zwangsarbeit
leisten.
Warum
berichten sie das jetzt?
Die Frauen hatten keine Zeit gefunden, darüber zu sprechen,
weil sie sich um die Existenz ihrer Familien, ihrer Kinder
und Angehörigen kümmern mussten. In ganz Deutschland
war Wohnungsnot, die Menschen hatten sich aus den Augen verloren
und suchten ihre Verwandten. Alle hatten Schlimmes erlebt,
auch die Menschen im Westen Deutschlands. Kaum jemand hatte
ein Ohr für das Leid anderer.
Die Erlebnisse der Frauen waren so grausam, dass die meisten
sie nicht berichten konnten. Sie verdrängten sie bis
ins hohe Alter. Erst jetzt gibt es Aufmerksamkeit für
ihre Leiden.
Wie
viele vertriebene Frauen leben noch?
Das ist unbekannt - es ist aber klar, dass sie alt sind und
nicht mehr lange von ihren Erlebnissen Zeugnis ablegen können.
Der Frauenverband im BdV hat auf einer Tagung im Jahre 2000
beschlossen, die noch lebenden Frauen zu bitten, von ihren
Schicksalen zu berichten, Sie sollten ihr bisheriges Schweigen
brechen, um deutlich zu machen, welch verheerende Folgen die
Besiegten in einem Krieg erleiden mussten. Dies soll für
spätere Nachfragen der nächsten Generationen zur
Verfügung gestellt werden, nicht um anzuklagen, sondern
um zu berichten. Ziel ist, das Schweigen zu brechen, um künftiges
Leid zu verhindern.
Welche
Frauen haben geantwortet?
Es wurden mehr als 10.000 Fragebögen an Frauen in ganz
Deutschland verteilt, natürlich in den Gruppen der vertriebenen
Frauen, aber auch in Gruppen anderer Frauenverbände des
deutschen Frauenrats oder an Einzelpersonen, die durch Veröffentlichungen
in den Medien und durch Mundpropaganda davon erfuhren.
Mehr als 500 ausgefüllte Fragebögen sind zurückgesandt
worden.
Warum
nur 507 Antworten?
Viele Frauen haben geschrieben, dass sie immer noch nicht
in der Lage sind, über ihre Erlebnisse zu berichten,
auch nicht in Form eines relativ einfach aufgebauten Fragebogens.
Ihre Erinnerungen an die grausamen Ereignisse konnten sie
noch immer nicht ertragen. Andere wiederum haben ausführlich
geantwortet und Berichte und zusätzliche Informationen
mitgeschickt. Sie waren erleichtert, dass endlich ihre Erlebnisse
auf Interesse stießen.
Was
haben sie berichtet?
Der Fragebogen wurde vom Frauenverband entwickelt, damit die
meisten Fragen unkompliziert zu beantworten waren und nicht
umständliche Beschreibungen erstellt werden mussten.
Viele Frauen nahmen das zum Anlass, zum ersten Mal davon zu
berichten. Das macht deutlich, wie schwer es für die
meiste Frauen war, ihre persönlichen Erlebnisse für
andere mitzuteilen, auch wenn die Daten anonymisiert wurden.
Die Fragen nach den Vergewaltigungen und den schlimmsten Erlebnissen,
die Fragen nach den Verlusten von Angehörigen haben sie
sehr berührt.
Wir haben lange überlegt, ob die Fragen nach den Vergewaltigungen
nicht zu belastend sein würden. Eine Vergewaltigung erleben
zu müssen ist ein in das Leben einer Frau einschneidendes
und ihre Gefühlswelt zerstörendes Ereignis. Dieses
ins Bewusstsein zu zerren, nachdem es jahrzehntelang verdrängt
worden ist, war nicht unsere Absicht. Dennoch haben wir uns
zu der Abfrage nach Vergewaltigungen - zumindest zur statistischen
Erfassung - entschlossen, um die Dimension der Geschehnisse
deutlich zu machen.
Was
soll mit den Zeitzeugnissen geschehen?
Die Auswertung der Fragebögen ist nicht repräsentativ,
weil viele Frauen nicht erreicht werden konnten, andere nicht
antworten wollten und vor allem, weil viele schon längst
nicht mehr leben. Dennoch wollte der Frauenverband sicherstellen,
dass ein Eindruck von den Geschehnissen vermittelt wird, um
darüber durch Zeitzeugen zu informieren und nicht nur
durch Bücher von Historikern und Interpretationen von
Politikern.
Das vorhandene Material ist einmalig in seiner Fülle
und gibt einen Einblick in die Geschehnisse. Die wissenschaftliche
Auswertung ermöglicht eine erste Übersicht und wird
sicher dazu führen, dass weitere Zeitzeugnisse entstehen
und gesammelt werden. Die interdisziplinäre Aufarbeitung
der dokumentierten Geschehnisse hat mit dieser Auswertung
erst begonnen.
Die
finanzielle Unterstützung
l durch das
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
l durch die
Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
l durch die
Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen und
l die Hilfe
durch Mitarbeiter derFreien Universität Berlin, Forschungsverbund
SED Staat, unter der Leitung von Professor Dr. Manfred Wilke
wurde mit Dankbarkeit angenommen.
Danke
Der Frauenverband im BdV e.V. hat die Aktion Frauen
brechen ihr Schweigen, um zukünftiges Leid zu verhindern
ehrenamtlich durchgeführt und dankt vor allem den Frauen,
die bereit waren, ihre Erlebnisse aufzuzeichnen und zur Verfügung
zu stellen. Eine Unterstützung weiterer Projekte des
Frauenverbandes im BdV e.V. wird gerne angenommen. Spenden
sind steuerlich absetzbar: