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Frauen
als Opfer von Krieg und Gewalt
Frauen
sind in Kriegszeiten und bei ethnischen Säuberungen immer
wieder besonderen Belastungen und Gefährdungen ausgesetzt.
Während die wehrfähigen Männer zum Militär
eingezogen werden, bleiben die Frauen mit ihren Angehörigen
ungeschützt zurück. Unter schwierigsten Bedingungen
tragen sie die Sorge für den Lebensunterhalt und das Überleben
der Familien, vor allem der Kinder. Oft werden sie auch Opfer
von Vergewaltigungen. Im Krieg brutalisierte Siegertruppen und
Milizionäre betrachten die Frauen nicht nur als schutzlose
Sexualobjekte. Vergewaltigungen sind auch eine Methode, um die
Mütter zu erniedrigen, die die nächste Generation
ihres Volkes hervorbringen und dessen kulturelle und geistige
Werte weiter vermitteln.
Systematische
Vergewaltigungen in Kriegszeiten gehören zu den schlimmsten
Waffen, die gegen die weibliche Zivilbevölkerung eingesetzt
werden. Dabei handelt es sich nicht primär um männliche
Sexualität, sondern um die Ausübung von Gewalt gegen
Frauen mit dem Ziel der Demütigung und persönlichen
Zerstörung und damit um eine schwere Menschenrechtsverletzung,
die heute vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag als
Verbrechen gegen die Menschlichkeit geahndet wird.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg mussten die betroffenen Frauen, sofern
sie die exzessiven Vergewaltigungen überlebt hatten, mit
ihren körperlichen Verletzungen und psychischen Verstörungen
allein zurechtkommen. Wie viele Frauen durch russische, polnische
oder andere Soldaten bzw. Milizen vergewaltigt wurden, wird
wohl nie geklärt werden können. Für ganz Deutschland
in der Phase vom Dezember 1944 bis Ende 1945 haben Forscherinnen
eine Zahl von bis zu zwei Millionen ermittelt. Den größten
Anteil daran haben die Vertreibungsgebiete Ostpreußen,
Ostbrandenburg, Pommern und Schlesien mit etwa 1,4 Millionen,
davon 13 Prozent mit Todesfolge. Trotz der Versuche der sowjetischen
Militärführung, ihre Truppen zu disziplinieren, kam
es auch in der sowjetischen Besatzungszone zu Vergewaltigungen
größeren Ausmaßes.
Vgl.
Helke Sander/Barbara Johr (Hrsg.): Befreier und Befreite.
Krieg, Vergewaltigung, Kinder, Frankfurt a.M. 2005, S. 5,
58 f.; Naimark, Norman: Die Russen in Deutschland. Die sowjetische
Besatzungszone 1945 bis 1949, Berlin 1997, S. 108-116, 169
f.
Die Fragebogenaktion des Frauenverbandes
im Bund der Vertriebenen e.V.
Der
Frauenverband im BdV hat sich mit der Initiative zu dieser Fragebogenaktion
eines lange verdrängten Themas angenommen. Ziel war es,
Aussagen von Zeitzeuginnen über ihre persönlichen
Erfahrungen bei Flucht, Vertreibung, Deportation und Internierung
zu sammeln, zu dokumentieren und - anlässlich des Gedenkens
an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren - einer breiteren
Öffentlichkeit zu vermitteln.
Der
hier entstandene Fundus bildet aus mehreren Gründen
eine außergewöhnliche und wertvolle Quelle für
die Flüchtlingsforschung:
1.
Diese Befragung richtete sich ausschließlich an Frauen
und nahm gezielt deren spezielle Erfahrungen bei Flucht, Vertreibung,
Deportation und Internierung in den Blick. Diese Frauen gehören
zudem überwiegend Jahrgangsgruppen an, deren persönliche
Sicht des Geschehens den Jüngeren bald nicht mehr zugänglich
sein wird.
2.
In der Befragung kamen viele Frauen zu Wort, die es nach 1945
in die Sowjetische Besatzungszone verschlagen hat und die in
der SBZ/DDR geblieben sind. Dort war die Thematik von Flucht,
Vertreibung, Internierung und Verschleppung in die Sowjetunion
bis 1989 ein komplettes Tabu; sie fiel generell unter den Verdacht
des Revanchismus. Trotzdem wurde auch in der DDR in vielen Flüchtlingsfamilien
über die erlebte Geschichte gesprochen. Nach der deutschen
Vereinigung trafen die private und die öffentlich
erzählte Geschichte wieder zusammen, was sich zum
Beispiel an der Aufmerksamkeit zeigte, mit der sich die Medien
in den neuen Bundesländern des Themas von Flucht und Vertreibung
annahmen.
3.
Die Fragebögen dokumentieren nicht nur die Erfahrungen
der befragten Frauen bei Flucht, Vertreibung, Deportation und
Internierung. Die Frauen äußern sich auch zu den
konkreten Auswirkungen des Erlebten für ihre Biografien
(z.B. die Folgen für Ausbildung, Familie, Gesundheit) sowie
zur persönlichen Verarbeitung des Erlebten und der Überlieferung
an die nachfolgende Generation.
Die
Auswertung der in der Fragebogenaktion gesammelten Unterlagen
leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Erforschung und Dokumentation
der Erfahrung von Frauen bei Flucht und Vertreibung, der sechzig
Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einer breiteren
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.
Die
Fragebögen inklusive der Fülle des von den befragten
Frauen ebenfalls zur Verfügung gestellten Materials, wurden
vom Dezember 2004 bis Mai 2005 an der Freien Universität
im Rahmen des Forschungsverbundes SED-Staat (wiss.
Leiter: Prof. Dr. Manfred Wilke) systematisch ausgewertet. Projektleitung
und wissenschaftliche Texte: PD Dr. habil. Ute Schmidt.
Diese
Internet-Präsentation zeigt eine Übersicht über
die Ergebnisse der bisherigen Auswertungsarbeit, die dankenswerterweise
durch die finanzielle Unterstützung des Bundesministeriums
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Stiftung
Zentrum gegen Vertreibungen und der Stiftung Haus der Geschichte
der Bundesrepublik Deutschland in Bonn ermöglicht wurde.
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