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Methodische
Vorbemerkung
Die
in dieser Befragung erhobenen Daten ermöglichen - gemessen
an strengen sozialwissenschaftlichen Kriterien - keine repräsentativen
Schlüsse. Dies ist auch nicht der Anspruch der Initiatorinnen.
Denn die vorliegenden ausgefüllten Fragebögen stellen
keine Stichprobe im Sinne einer statistischen Zufallsauswahl
oder eines anderen systematischen Auswahlverfahrens dar und
ist im Übrigen zu klein. Viele Frauen älterer Jahrgänge,
die Flucht und Vertreibung erlitten haben, leben nicht mehr.
Die gesammelten Erfahrungsberichte ergeben kein flächendeckendes
Bild und erlauben auch keine generellen Aussagen. Sie dokumentieren
vielmehr verschiedene Ausschnitte aus dem umfassenden Geschehen
von Flucht und Vertreibung.
Ferner
muss berücksichtigt werden, dass in dieser Befragung -
etwa im Unterschied zu der klassischen Dokumentation der
Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa, die bereits
in den 1950er Jahren unter der wissenschaftlichen Leitung von
Theodor Schieder erarbeitet wurde - der zeitliche Abstand zum
erlebten Geschehen erheblich größer ist, was sich
zwangsläufig auch auf die Formen des Erinnerns auswirkt.
Die
Teilnehmerinnen
Insgesamt
wurden seit 2001 in ganz Deutschland über 10.000 Fragebögen
nach dem Schneeball-Prinzip verteilt. Über
den Deutschen Frauenrat wurde auch in anderen Frauenverbänden
für diese Aktion geworben. Bis März 2005 sind 507
ausgefüllte Bögen zurückgeschickt worden. Dieser
Rücklauf ist angesichts des Alters der Adressatinnen wie
auch der Thematik, die für die meisten von ihnen mit leidvoller
Erinnerung befrachtet ist, ein großer Erfolg. Die Aussagen
in den Fragebögen bieten eine in dieser Form bisher einzigartige
Quelle. Sie dokumentiert nicht nur die Erfahrungen der befragten
Frauen bei Flucht, Vertreibung, Deportation und Internierung,
sondern veranschaulicht darüber hinaus die konkreten Folgen
für ihre Biografien, die Präsenz im heutigen Leben
der Frauen und ihrer Familien sowie ihre persönliche Verarbeitung
und Vermittlung an nachfolgende Generationen.
Hinzu
kommt: In der Flüchtlingsforschung der Bundesrepublik hat
es noch nie systematische und speziell auf die Erfahrungen von
Frauen bezogene Befragung von Zeitzeugen gegeben
Vielen
Frauen fiel es nicht leicht, den Fragebogen auszufüllen,
andere empfanden es hingegen auch als wohltuend, ihre Erfahrungen,
Ängste und Traumata mitteilen zu können. Denn die
Schreckensbilder wurden in der Nachkriegszeit und wegen der
Notwendigkeit des Neuaufbaus einer familiären und beruflichen
Existenz verdrängt, sie kommen mit zunehmendem Alter aber
erneut ins Bewusstsein.
Den
Fragebogen-Rücksendungen sind häufig aufschlussreiche
Anlagen zur Ergänzung der Aussagen beigefügt. Diese
Unterlagen bereichern die Materialgrundlage und geben ihr eine
große Authentizität und Dichte. Sie enthalten zum
Beispiel ausführliche Erläuterungen zu einzelnen Fragen,
persönliche Aufzeichnungen, schriftliche Ausarbeitungen
und Berichte zum Schicksal von Frauen bzw. ihrer Familien, Broschüren
und Bücher, Lagerdokumentationen, Fotos, zeithistorisch
interessante Dokumente wie Lagerpässe oder Entlassungsscheine,
Briefwechsel, Unterlagen zu Anträgen auf Rente oder Entschädigung,
Zeitungsartikel usw.
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